Der Unterschied

Züchter vs. Vermehrer

Ein Welpe kommt ins Haus

lesen Sie mehr.......

Vererbbare Augenkrankheiten

 

Dieser sehr informativer Artikel ist über Augenkrankheiten und vermutlich erbliche Augenerkrankungen bei Hunden von Mag. Günther Maaß.

Die Vermutung, dass eine bestimmte Augenerkrankung bei einer bestimmten Rasse vererbt wird, ist dann berechtigt,
- wenn sie häufiger auftritt, als bei anderen Rassen,
- wenn ihre Häufigkeit bei einer bestimmten Rasse zunimmt,
- wenn ihr Aussehen und ihre Lokalisation typisch sind,
- wenn ihr Auftreten und ihr Verlauf charakteristisch sind,
- wenn ihre Frequenz bei verwandten Hunden einer Rasse größer ist als bei nicht verwandten,
- wenn sie identisch erscheint mit bereits nachgewiesenen Erbkrankheiten bei einer anderen Rasse.
Bis jetzt sind aber, von wenigen Ausnahmen abgesehen, die meisten der vermutlich erblichen Augenerkrankungen unzulänglich dokumentiert, da die für genetische Studien erforderliche Zahl von betroffenen und verwandten Tieren nicht zur Verfügung steht. Je nach dem Ausmaß der Beeinträchtigung sowie dem Vererbungsmodus wird entweder von der Zucht abgeraten oder die Entscheidung wird dem Züchter überlassen.
Zu welchen Prozentsätzen die einzelnen Schnauzer- und Pinscherrassen bezüglich der einzelnen Augenerkrankungen betroffen sind, lässt sich für Europa nicht sagen. Es gibt Bestrebungen, ebenfalls wie in den USA die Daten aller Untersuchungen auf erbliche Augenerkrankungen in einem zentralen Archiv zu sammeln und auszuwerten. Vereinzelt wurden schon für verschiedenen Rassen im Rahmen von Dissertationen die Daten aufgearbeitet, doch diese Daten waren bestenfalls auf einzelne Länder beschränkt.
Wesentlich bleibt aber, eine vermutlich erbliche Erkrankung der Zuchttiere möglichst früh zu erkennen und falls die Tiere eine Beeinträchtigung haben oder erwarten lassen, sie möglichst aus der Zucht zu nehmen.

Folgende Augenerkrankungen gelten bei allen Rassen als erblich und haben daher Konsequenzen, falls sie bei einer Untersuchung gefunden werden.

1. Katarakt (Grauer Star)
Jede teilweise oder vollständige Trübung der Linsensubstanz oder der Linsenkapsel. Nur bei sehr kleinen, punktförmigen Trübungen kann die Signifikanz unbekannt sein. Katarakte werden als erblich klassifiziert, wenn sie primärer Art sind, d.h. nicht Folgen von Trauma, okulärer Entzündung, Stoffwechselerkrankungen, persistierender Pupillarmembran (MPP), persistierendem retrolentalem Bindegewebe (PHPV/PHTVL) oder Mangelkrankheiten.

Als nicht erblich werden klassifiziert:
- Kleine, gut abgegrenzte Trübungen im Bereich der hinteren Nahtspitzen (Nahtspitzenstar).
- Fetaler hinterer Nahtstar in Form feiner goldig reflektierender Pünktchen im Bereich der hinteren Kern-  Rinden-Peripherie.
- Glitzernde oder weißliche Pünktchen als Reste der Tunica vasculosa lentis an der Rückseite der hinteren Linsenkapsel.

Cataracta congenita:
Wird der graue Star in der Zeit zwischen Geburt und 8.Lebenswoche festgestellt, wird er als angeboren bewertet.

Cataracta juvenilis:
Tritt später auf, ist erblich, aber nicht angeboren.

2. Primärglaukom (Grüner Star)
Ein erhöhter Druck im Augeninneren (intraokularer Druck IOD) wegen Reduktion oder Blockade der Abflusswege des Kammerwassers. Eine zum Glück eher seltene, aber wenn aufgetreten, schmerzhafte und meistens mit Erblindung endende Augenerkrankung. Sie tritt zumeist im mittleren und höheren Alter (2-9 Jahre) und zunächst nur auf einem Auge auf.

3. Retinadysplasie (RD) – geographische und Ablatio-Form
RD ist eine abnorme Netzhautentwicklung, die schon bei der Geburt besteht und in drei Formen auftreten kann.
Netzhautfalten (RD1)
Verschwinden bisweilen im ausgereiften Augenhintergrund. Da keine Sehstörung auftritt und der genetische Zusammenhang zwischen Netzhautfalten und den beiden anderen Formen nicht geklärt ist, wird kein Zuchtausschluss empfohlen und der Züchter entscheidet.

Geographische RD (RD2)
Jedes unregelmäßig gestaltete Areal abnormer Netzhautentwicklung, das von einer einfachen Faltung abweicht. Kann mit Sehstörung einhergehen und zur Erblindung führen.

Totale Ablatio retinae (RD3)
Jede der oben genannten Formen in Verbindung mit totaler/blasenförmiger Netzhautabhebung. Geht mit Erblindung einher und tritt häufig mit anderen Augendefekten und bisweilen mit Skelett- und Systemerkrankungen auf.
Da diese Erkrankungen einfach und früh zu diagnostizieren sind, können sie auch gut ausgemerzt werden.

4. Progressive Retinaatrophie (PRA)
Man unterscheidet zwischen Photorezeptordysplasien, bei welchen sich die Rezeptoren nicht normal entwickeln und Photorezeptoratrophien, bei welchen sie nach normaler Entwicklung degenerieren. Darauf stützt sich die Einteilung nach dem Alter, in dem sich die ersten klinischen Erscheinungen bemerkbar machen.
Bei der Dysplasie der Stäbchen und Zapfen treten erste Symptome wie Nachtblindheit bereits im Alter von 6 Monaten auf,worauf die Hunde im Alter von 1-2 Jahren vollständig erblinden.
Bei der später einsetzenden Photorezeptordegeneration sind die Stäbchen und Zapfen normal entwickelt, die Nachtblindheit beginnt mit 3-5 Jahren, die vollständige Erblindung mit 6-9 Jahren. Allen Formen ist gemein, dass sie rezessiv vererbt werden und die Symptomatik einen identischen Verlauf zeigt.

5. Weitere vermutlich erbliche Augenveränderungen
- bedrohen nicht so sehr das Sehvermögen, sind aber irritierend und/oder schmerzhaft und können ohne Therapie bis zur Erblindung und Zerstörung des Auges führen.

Entropium: Einwärtsdrehung der Lider
Distichiasis: Einzelne bis viele wimpernähnliche Haare, die an der inneren Lidkante aus den Ausführungsgängen der Meibomschen Drüsen entspringen.
Okulare Trichiasis: Fehlgerichtete Haare im Bereich der äußeren Lidkante oder in der Umgebung der Lidspalte, die die Hornhaut berühren.
Stromale Hornhautdystrophie: Fettablagerungen (Cholesterol) treten zumeist innerhalb der zentralen, oberflächlichen Hornhautschichten im Alter von 1-2 Jahren auf und breiten sich zu einem perlmutterartigen Fleck von ca. 5mm aus.

Das sind nach den amerikanischen Studien die häufigsten Augenerkrankungen, die bei diesen Rassen zu finden sind. Natürlich gibt es noch viele andere.
Man muss immer von Fall zu Fall entscheiden, ob man mit einem betroffenen Tier noch einen Wurf wagen will. Manchmal geht man das Risiko ein, weil sonst die Linien zu eng werden. Die Untersuchungen hätten den Vorteil, dass man sich freie Partner auswählen kann und so das Auftreten der Krankheit wieder seltener wird. Wichtig ist das Miteinander, das gemeinsame Erarbeiten von Richtlinien, wie man mit gewissen positiven Befunden im Club umgehen will. Jeder Club kann entscheiden welchen Weg er geht. Da sich aber das Wissen ständig erweitert, sind auch öfter Korrekturen eines eingeschlagenen Weges notwendig.

Mit freundlicher Genehmigung und ©
Mag. Günter Maaß
Tierarzt für Augenheilkunde
Heiligenkreuzerstr. 38 A
A-2384 BREITENFURT