Der Unterschied

Züchter vs. Vermehrer

Ein Welpe kommt ins Haus

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Die Geschichte der Schnauzer-Pinscher

Über die Geschichte des Hundes im Allgemeinen gibt es im Buchhandel unzählige, mehr oder weniger gute Bücher. Da wir speziell auf unsere Rassen eingehen wollen, sei die Geschichte des Hundes hier nur kurz gestreift.

 

Hunde gehören zu den ältesten Begleitern der Menschen. Seit einiger Zeit ist bekannt, dass der Haushund vermutlich über 100.000 Jahre alt ist. Über die Herkunft des Haushundes ist viel gerätselt worden. Prof. Konrad Lorenz glaubte ursprünglich an eine Abstammung vom Goldschakal. Später schloss er sich den anderen Ethnologen an, die glaubten, dass der Hund vom Canis Lupus (Wolf) abstammt. Seit einer umfassenden DNA Studie aus Amerika soll Klarheit herrschen. Der Vater aller Hunde ist der Wolf. Damit ist aber nicht der heutige Wolf, sondern die damalige Gattung gemeint. Alle historischen Wölfe können zur Haushundwerdung beigetragen haben, denn die Domestizierung fand in allen Ecken der Erde statt. Die Stammväter unserer Hunde sind also verschiedene Wolfsarten. Nach den neusten Theorien stammt der Hund aber nicht ausschließlich vom Wolf, sondern auch vom Schakal ab. Die Biologen Ray & Lorna Coppinger schreiben in ihrem Buch „Hunde – Neueste Erkenntnisse über Herkunft, Verhalten und Evolution der Kaniden“:

 

„Die frühesten, datierten Haushundfunde stammen von Lagerstätten des Menschen in Palästina und Nordeuropa“

Wölfe und Schakale lebten stets in großen Rudeln zusammen, welche oft in die Behausungen der Menschen eindrangen, um Nahrungsmittel oder Vieh zu stehlen. So kamen gelegentlich Welpen und  junge Tiere in die Hände der Menschen, die aufzogen und gezähmt wurden. Der Nutzen dieser Tiere wurde von den Menschen bald erkannt. Doch wann der Mensch begonnen hat, Hunde zu züchten, weiß man nicht genau. Im Laufe der Zeit  jedoch veränderte der Mensch die  Merkmale der Stammväter unserer Hunde.  Durch Auslese, Anpassung und Kreuzung entstand eine Vielzahl an unterschiedlichen Erscheinungsformen, die sich nicht nur in ihrem Äußeren voneinander unterscheiden, sondern auch in ihren Wesenszügen.


Woher unsere Schnauzer und Pinscher kommen, weiß man auch nicht so genau, jedenfalls haben unsere Rassen eine sehr lange Geschichte, die detailliert jedoch noch nicht ganz aufgeklärt ist. Zweifellos gehören sie zur Gruppe der Torfspitzhunde, welche seit mehreren Jahrtausenden in Mittel- und Westeuropa nachweisbar sind.

Dr. Hans Raeber beschäftigte sich eingehender mit der Theorie von Theophill Studer (1845-1922), dass der Schnauzer – Pinscher von dem in der Jungsteinzeit (3000-2000 v.Chr.) vorkommenden Torfhund der Pfahlbauer abstammen soll. Zwar lassen sich aufgrund von Schädelfunden gewisse Rückschlüsse auf eine mögliche Abstammung ziehen, allerdings reichen diese nicht aus, um eine eindeutige Zuweisung zu rechtfertigen.


Ein interessanter Fund: Der keltische Gesellschaftshund von Rheinau

Die Halbinsel Rheinau liegt im Zürcher Weinland an der Grenze zu Deutschland. Dort datieren in die Mittelsteinzeit (9000-6000 v. Chr.) die ältesten Spuren des Menschen, die als nomadisierende Wildbeuter durch die Wildnis zogen und hier einen Lagerplatz errichteten. Ein nahezu vollständig erhaltenes Hundeskelett konnte 1994 bei Ausgrabungen in einer ehemaligen Keltensiedlung geborgen werden. Aufgrund der anderen Funde dieses ehemaligen Handwerkerviertels wird vermutet, dass dieser Kleinhund aus dem Mittelmeerraum importiert wurde. In spätlatènischen Siedlungen der Kelten (100 v. – 100 n. Chr.) wurden, wie viele Ausgrabungen zeigen, Hunde unterschiedlichster Größe geschlachtet und gegessen. Diese „Speisehunde“ waren immer recht jung und erreichten kaum das Erwachsenenalter. Der Zustand dieser Hunde wies jedoch auf eine komplette Beisetzung hin. Es wurden weder Hieb- noch Zerlegungsspuren am Skelett entdeckt. Zahnwechsel und Skelettwachstum waren bei diesen Hunden bereits abgeschlossen.

Die Abnutzungserscheinungen der Zähne lässt ein Alter von etwa 24 bis 30 Monaten vermuten. Ähnlichkeit mit einem Pinscher?

 

Das erstaunlichste an dem Hund von Rheinau ist die große Übereinstimmung seines Schädels mit einem Schädel des heute lebenden Zwergpinschers.

Auch die Unterkiefer der beiden sind sich erstaunlich ähnlich. Interessant ist auch die Schulterhöhe dieses kleinen Kerls. Sie beträgt lediglich 27 Zentimeter am Skelett.

Der lebende Hund dürfte somit etwa 30 cm Schulterhöhe gehabt haben. Diese Hundetypen kannte man weder in Süd- noch in Nordeuropa.

Bekannt wurden sie im 18. und 19. Jahrhundert, als große Mietställe das wichtigste Transportmittel Pferd im noch jungen Industriezeitalter zur Verfügung stellten. In dem warmen und futterreichen Umfeld der Ställe gediehen Ratten und Mäuse, die man mit Katzen und Hunden in Schach hielt, und da Pferde ein beliebtes Diebesgut waren, kam man in den Ställen nicht ohne gute Wächter aus. Es musste also ein Hund sein, der bewachte und Lärm machte.


In der Geschichte unserer Rassen wird immer wieder darauf hingewiesen, dass der Pinscher auf den Bauernhöfen die Aufgabe hatte, Ratten zu töten. In Stallungen und Lagerstätten von Stroh, Heu, Getreide und anderen Futtermitteln gab es immer Ratten und Mäuse. Sie waren und sind die Herausforderung für jeden Pinscher. Mit ungeheurer Schnelligkeit und Gewandtheit erledigt der Pinscher diese Aufgabe bis heute. Das Talent dazu ist genetisch fixiert.

„To pinch“ heißt im Englischen kneifen, und so verschaffte sich der Stallhund als „Wadenbeißer“ Respekt. Er musste tagsüber fremde Menschen ein- und ausgehen lassen, jedoch misstrauisch genug sein, um genau im Blick zu haben, wer sich zu Recht oder zu Unrecht an den Pferden und Vorräten zu schaffen machte.

Wie die Hunde dabei aussahen, spielte keine Rolle, jedoch durfte ihr Fell nicht pflegeintensiv sein. Ein raues oder derb kurzhaariges Fell war ideal, denn der Schmutz haftete nicht so gut, und trotzdem bot es genug Schutz gegen Kälte und Nässe. Eine weitere Voraussetzung für einen guten Stallhund war eine territoriale Veranlagung mit wenig Neigung, das Revier zu verlassen. Das Verhältnis der Menschen zu den Hunden war in dieser Zeit gespalten.


Viele betrachteten Hunde als minderwertig, und einen Stallhund erst recht. Freundliche Worte und Streicheleinheiten waren eher die Ausnahme, Fußtritte die Regel, und so lernten die Hunde, sehr schnell zwischen Menschen, denen man vertrauen konnte, und Fremden zu unterscheiden. Der Schnauzer-Pinscher Freund wird noch heute in seinem Hund viele Eigenschaften aus den Urtypen wieder finden. Diese Rasse hat sich ihre Persönlichkeit bewahrt. Sie ist gelehrig und ihrem Menschen zugetan.

Nach Hauk war ein derber, kurzhaariger Pinscher früher über ganz Europa verbreitet, am häufigsten kam er in Mitteleuropa und hier wiederum im süddeutschen Raum und im alten Österreich vor.

Die Vorfahren unserer heute bekannten Pinscher und Schnauzer kamen wahrscheinlich als Rattenfänger und Stallhunde schon vor Jahrhunderten vor.

Fest steht, dass sich die Rasse gegen Ende des 19. Jahrhunderts aus einer Masse von süddeutschen, kleinen bis mittelgroßen Bauernhunden herauskristallisiert hat.

Maßgeblich an der Entstehung beteiligt war die Veränderung des sonst üblichen Stockhaares in verlängerte Deckhaare, wobei sich das Grannenhaar spindelförmig verdickt und drahtig grob wird.

Diese längere Behaarung findet sich im Gesichtsbereich (Bart und Augenbrauen) und an den Extremitäten.

Der Hund fand seine Verwendung als Stallhund – dort war eine seiner Aufgaben, den Stall von schädlichen Nagern zu befreien, was ihm auch den heute noch gebräuchlichen Beinamen „Rattler“ einbrachte. Bei der Jagd auf die äußerst wehrhaften Ratten war der dichte Schnauzbart als Schutz vor Bissen von großem Vorteil.

Weiters war der Schnauzer-Pinscher ein fabelhafter Wächter in der Nacht, der durch seine trutzige Wehrhaftigkeit und sein angeborenes Misstrauen Fremden gegenüber Haus und Hof verteidigte. Durch sein dichtes, wetterhartes Haarkleid war der Schnauzer-Pinscher ein ebenso exzellenter Wachbegleiter der Fuhrleute. Bei Wind und Wetter und aufgrund seines kräftigen Körperbaues konnte er tagsüber die Wagengespanne über weite Strecken begleiten und nachts vor Feinden beschützen.

Durch diese Wachsamkeit, Wehrhaftigkeit, Ausdauer, aber auch durch seine Treue und Selbständigkeit, wuchs seine Beliebtheit immer mehr. Erste Standardbeschreibungen

 

Mit Beginn der „Kynologischen Zeit“, 1836, wird der glatthaarige Pinscher erstmals bei Dr. H. G. Reichenbach in seinem Buch DER HUND IN SEINEN HAUPT- UND NEBENRACEN als Rasse beschrieben. Er schreibt damals: „Ein schlanker und in allen Theilen proportioniert gebauter Hund, mit schmalen an der Basis aufrechtem Behang (Ohren) Urfarbe oder ganz schwarz [...] Der Pinscher ist ungeachtet seiner Schlankheit kräftig gebaut, von beständig heiterem Temperament, daher immer beweglich und ohne Falschheit. Er liebt die Wärme und hält sich vielleicht deshalb gerne in Pferdeställen auf. Seine Neigung zum Jagen ist ihm so angeboren wie dem Dachshunde, in Häusern gehalten sucht er ihr wenigstens dadurch zu genügen, dass er sich abends auf den Hof begibt und den Ratten nachstellt oder in die Gärten geht, um den Maulwürfen aufzulauern [...] 

Diese nette Hunderasse ist erst in neuerer Zeit aufgekommen, scheint aus England entsprossen und hat in Deutschland die Stelle der Möpse eingenommen. an> Auch Th. Götz vertritt 1938 in seiner HUNDE-GALLERIE die Meinung, der Glatthaarpinscher sei aus England auf den Kontinent gekommen. Der Pinscher-Hund – eine aus England zu uns nach Deutschland gekommene Rasse: Ihre Größe ist verschieden, gewöhnlich sind sie eineinviertel Fuß hoch, schlank gebaut und haben einen etwas langen, dünnen Hals und eine kräftige Brust. Der kleine, in die Höhe stehende Behang wird ihnen in der Jugend, ebenso wie die Ruthe, abgeschnitten. Von Farbe sind sie alle schwarz am Kopf, den Füßen, an der Brust und Ruthe, mit hellbraunen Extremitäten gezeichnet. Es ist eine muntere Hundeart, vorzüglich, sehr wachsam beim Geschirr und sehr gut zur Vertilgung der Ratten, etc. Bereits 1902 brachte Richard Strebel ein Standardwerk um den Pinscher – besonders über seine rauhaarigen Varietäten – heraus.


In dem 1867 erschienenen Buch DER HUND UND SEINE RACEN von Dr. Leopold Fitzinger wurde bereits eine Reihe von Pinscher-Varietäten beschrieben. „Den Seidenpinsch als einen Halbbastard gemischter Kreuzung- was immer er darunter verstanden hat. Er soll klein gewesen sein und zotteliges, gekräuseltes Haar gehabt haben. Der abschließende Vergleich mit dem französischen Petit Griffon und der Hinweis, dass er bei Frauen als Schoßhund beliebt war, deutete auf den Affenpinscher hin“. Als verwandt mit ihm bezeichnete er den „kleinen Pinsch“ und den „rauen Pinsch“. Die Merkmale der letzteren, der auch als Affenpinscher bekannt war, und den er „einfachen Bastard gemischter Kreuzungen“ nennt, beschreibt er „mit starker gewölbter Stirn und stumpfer Schnauze“ von einfarbig rötlich oder gräulich weiß, gelblich schwarz oder schwarz. Das Haar war bestehend und straff. Das Gesicht sei gleichfalls mit abstehenden Haaren besetzt gewesen, um die Schnauze herum länger und beinah „bartähnlich“ erschienen. Das „Abstutzen“ der Ohren und des Schwanzes war bei dieser „Race“ üblich gewesen.


Für den „großen Pinsch“ zählt Dr. Fitzinger folgende Merkmale auf: „verschiedene Größen, Kopf etwas länger, Stirn schwächer gewölbt, Schnauze mehr gestreckt, niederer und spitzer, der Leib minder voll, Haar mehr glatt-zottelig, abstehend und grob. Das Gesicht mit langen Haaren besetzt, welche um die Schnauze länger sind und eine Art Bart bilden. Die Färbung ist meistens auf der Oberseite des Körpers und der Außenseite der Beine und an der Schnauze rötlich oder bräunlich gelb und oberhalb der Augen kleine, rundliche ebenso gefärbte Flecken, Ohren und Schwanz gestutzt. Er wurde als Stubenhund und Hirtenhund gehalten“.

Noch deutlicher sind die Hinweise auf unsere Rassen bei der Beschreibung des „glatten Pinsch“, den Dr. Fitzinger „als dreifachen Bastard gemischter Kreuzungen“ beschreibt. Diese Beschreibung ist ähnlich der des „großen Pinsch“ und der damals gebräuchliche Name für diesen Hund war „Rattler“. Deutlich jedoch weisen die beschriebenen Eigenschaften auf Pinscher-Schnauzer hin. Diese Hunde wurden als muntere, lebhafte Hunde dargestellt, die ebenso gerne in der Stube, wie auch in Pferdeställen gehalten wurden. Da er mutig war und gerne in unterirdische Baue kroch, wurde er auch für die Jagd auf Füchse und Dachse benutzt. Besonders aber eignete er sich als Rattenfänger.


1892 findet sich in Franz Krichlers Katechismus der Hunderassen eine eindrucksvoll genaue Beschreibung über den „Rauhaarigen deutschen Pinscher (Rattler, Rattenfänger): Es gibt wohl keinen Hund der besser in den Pferdestall passt, wie unser „Rattenfänger“. Dazu befähigen ihn außer seiner großen Neigung für die Gesellschaft von Pferden vor allem sein Widerwille gegen Ratten und Mäuse, jene widerwärtigen Mitbewohner der Stallungen. Wie eine Katze verfolgt der Rattler dieses Ungeziefer und zeigt allen bissigen Ratten gegenüber größeren Mut als jene. Auch im Hause ist er ein angenehmer Hund, der sich gut mit Kindern verträgt; dem Spitz gegenüber hat er den Vorzug daß er bei gleicher Wachsamkeit weniger Lärm  macht, sehr intelligent und mutig ist, ohne dabei zänkisch und rauflustig zu sein, und seinem Herrn gegenüber große Treue zeigt.  

entwick

Sein Gewicht schwankt zwischen 5 und 10 Kilogramm. Der Rattenfänger ist leicht, jedoch sehnig und elastisch gebaut , etwas langgestreckt ohne kurzläufig zu erscheinen. Seine Haltung ist aufmerksam und frei. Kopf und Hals werden schräg aufwärts getragen. Ebenso die Rute.  

Der Kopf ist nicht zu schwer, in durchaus richtigem Verhältnis zum übrigen Körper und etwas langgestreckt. Der Oberkopf von oben gesehen nach den Augen hin sich nur wenig verschmälernd, die Schnauze von oben gesehen nach der Nase hin sich leicht verjüngend und weder spitz noch doggenartig erscheinend.   Der flache Absatz vor der Stirn erscheint von der Seite her gesehen infolge des aufgerichteten Haares an der Vorderstirn meist viel auffälliger als er tatsächlich ist. Schnauzenteil stark, kräftiger Unterkiefer, die Backenmuskeln gut entwickelt, doch nicht auffällig vorspringend. Schnauze im Profil schräg abgestumpft, Gebiß gut schließend, mit starken Fangzähnen. Nasenrücken völlig gerade, Nasenkuppe schwarz und nicht zu groß, Ohren ziemlich hoch angesetzt,  nicht zu weit auseinander, in natürlichem Zustand meist als kurzer dreieckiger Behang halb aufgerichtet getragen und daher am besten in der Jugend spitz gestutzt. Augen klein, länglich, sehr lebhaft und ausdrucksvoll, von dunkelbrauner Färbung; stark elte buschige oder stachelige Augenbrauen. Hals: Mittellang, kräftig, im Nacken gewölbt, ohne Erweiterung der Kehlhaut. Rumpf: Brust kräftig, jedoch nicht breit, Rippenkorb vorn tief hinabreichend, nur schwach gewölbt und eher seitlich zusammengedrückt als tonnenförmig, Bauch nur wenig aufgezogen, Rücken mäßig gewölbt. Rute: Im natürlichen Zustand kaum bis zu den Sprunggelenken reichend und schräg aufwärts mit schwach säbelförmiger Biegung getragen. Wird meist in der Jugend kurz gestutzt, ist jedoch ungestutzt zulässig, wenn ihre Form und Haltung gut ist.   Läufe und Pfoten: Schultern schräg gestellt, flach bemuskelt, wie auch die Keulen der Hinterläufe. Vorderläufe von allen Seiten völlig gerade, die Hinterläufe im Unterschenkel nur wenig schräg gestellt, Pfoten klein, rundlich, Zehen gewölbt. Behaarung: So hart,  straff und dicht als möglich, keinesfalls lang oder zottig, und am ganzen Körper gleichmäßig, namentlich am Oberkopf nicht weicher, an der Schnauze kurzer Schnurr= oder Knebelbart, über den Augen buschige oder stachelige Brauen bildend. Ohren kurz und weicher behaart, Rute mit unregelmäßig gedrehter, schwacher Bürste. Die Läufe bis zu den Zehen hinunter vorzugsweise an der Hinterseite, rau, Pfoten kurz und dicht behaart. Farbe: Rotgelb oder graugelb, möglichst einfarbig, Kopf, Füße und Unterseite jedoch meist heller gefärbt, ferner schwärzlich eisengrau oder silbergrau, möglichst einfarbig, oder auch mit gelbbraunen oder blaßgelben Abzeichen an den Augen, der Schnauze und den Läufen, wie beim Dachshunde. Auch einfarbig flachsblond oder trüb grauweiß, aber nicht mit schwarzen Flecken. Ebenso einfarbig schwarz. Nägel dunkel.

Fehlerhaft sind plumpe, schwerfällige Bauart, zu schwerer, runder Kopf, doggenartige stumpfe, zu spitze oder zu kurze Ober- oder Unterkiefer, auffällig breite Brust, weit gespreitzte oder gebogenen Vorderläufe, geringelte oder stark gekrümmte Rute und seitlich abstehende Ohren.
Ferner jede zu weiche, zu lange, gewellte, gerollte, zottelige oder glatt anliegende Behaarung und das einfarbige Weiß“.

Und über unseren Zwergpinscher schreibt er unter

„Der deutsche rauhaarige Zwergpinscher: Dieser Hund ist die Zwergform des Rattenfängers und soll demselben bis auf die Größenverhältnisse vollkommen gleichen. Er soll nicht mehr als 3 1/2 Kilo wiegen. Sehr verwandt oder gar identisch mit ihm sind die unter dem Namen „Affenpinscher“ bei uns bekannten Hunde. Dieselben haben einen hochgewölbten Oberkopf,  kurze Schnauze und runde, große, vorspringende Augen, welche mit einem Kranz längerer Haare umgeben sind, wodurch das Gesicht einen eulen= oder affenartigen Ausdruck erhält. Die Behaarung- namentlich im Gesichte- ist etwas weicher als diejenige des rauhaarigen Pinschers. In Belgien existiert eine Form des rauhaarigen Pinschers welche dort unter dem Namen Griffon bruxellois bekannt ist und sich wohl nur durch die stets rotgelbe Farbe von unserem rauhaarigen Zwergpinscher unterscheidet“.  


1937 erscheint von Felix Ebner das Buch Schnauzer und Pinscher in der Buchreihe Freund Hund im Otto Meißners Verlag Hamburg. Er schreibt über die Herkunft der Schnauzer und Pinscher „... und zwar finden wir in diesem Raum des heutigen Mitteleuropa als älteste Form des „Torfhundes“ eine einheitliche Rasse, die als Pfahlbautenspitz bezeichnet wird. Dieser Pfahlbautenspitz gilt als Stammhalter und Urahne der Spitze, Pinscher, Erdhunde (Terrier), wie auch des Tschau, des Samojedenspitz usw. Schon in der Jungsteinzeit ist die Züchtung verschiedener Größenschläge dieser Urrasse bemerkbar, und es zeigen sich auch bereits Schädelveränderungen  die der Form des Pinscherschädels zustreben. Aus dieser Pinscherform sind unsere Pinscher und unsere Schnauzer mit den Zwergformen (Zwergpinscher, Affenpinscher und Zwergschnauzer) entstanden, während der Engländer aus dieser einheitlichen Urform seine Terrier Rassen geschaffen hat. Der jüngste in der Schnauzerfamilie ist der Riesenschnauzer, der auch das Blut des Bronzehundes führt (Typus der Schäferhundegruppe). Dieser Bronzehund ist die zweite, etwas größere der beiden ältesten europäischen Urformen des Hundes“.  

Und in den einzelnen Rassebeschreibungen schreibt er über den Zwergpinscher:   „Einer Dame oder kleinen Familie der Großstadt, die nur über ihre Wohnung und vielleicht noch über ein Blumenbeet im Vorgarten verfügt, wird das Halten eines mittelgroßen Hundes schon zur Qual. Wenn sie nicht völlig entsagt, passt für sie ein Zwergpinscher. Er braucht wenig Raum und wenig Pflege, kann sehr sittsam und manierlich sein und ist selbst in kleinen Ungezogenheiten reizvoll und anmutig. Mit seinen sauberen Pfötchen, seinem kurzen, glatten Fell, kann er getrost auf die elegantesten Polstermöbel genommen werden, ohne Verdruß und Ärger zu stiften, und wenn man ihn alltäglich ein paarmal vor die Haustüre geleitet, wird der Stadtrat stillschweigend und gebührenfrei die geringen Zeichens seines Stoffwechsels entfernen lassen. Auch die übrigen  Bewohner freuen sich des zierlichen Wesens und reißen sich um das kleine Geschöpf, wenn die Herrin einmal auf ein paar Stunden zum Einkaufen oder ins Café oder Kino geht. Er stört nicht in der Trambahn, und im Auto ist er gesitteter als ein Foxl und weiß in seiner lauten, schneidigen Aufbegehrlichkeit den Wagen vor Fremden wohl zu hüten. Denn der Zwergpinscher ist heute nicht mehr der rachitische Krüppel mit Apfelkopf, Glotzaugen und zu dünnem Haar, wie er einst auf Kosten eines gesunden Körpers und Charakters von willenlosen Geschäftemachern auf möglichste Kleinheit gezüchtet worden ist, so dass er sich unter den Sofakissen oder gar im Muff oder im Ärmel seiner Herrin wohl fühlen konnte, an der frischen Luft aber eine ewig frierende Jammergestalt war.  ein, seit einem Vierteljahrhundert haben ihn unsere Züchter zu einem zwar kleinen und eleganten, aber festen und forschen Gebrauchshund gemacht, der auch bei Regen und Schnee einen Gang ins Freie als höchste Lust empfindet. Am meisten verbreitet ist der Schwarze mit Brand und der Hirschrote; es gibt aber auch Schokoladebraune, und ganz selten sieht man ihn mit Blau mit Braun.


Der Zwergpinscher ist nach Strebel das wundervolle Gegenstück zu unserer Dogge. Wenn er nicht mehr die Verbreitung hat wie einst, so liegt das nicht an der Rasse. Sein unbestechlicher Charakter, das lebhafte Temperament und die durch und durch geadelte Form sind so liebenswert, dass man Bertas Nachruf auf seinen Mar v. Klein-Paris versteht: „Ich habe manchen braven Hund gehabt, manchen der sich ein unvergessliches Andenken in meinen Haus geschaffen hat, alle übertrifft Mar, der beste, verständigste, angenehmste und nützlichste Hausgenosse, den ich je besessen habe.“ Nach dem Kriege waren Chinesen Trumpf. In den republikanischen Ohren der Zeit klang es ja auch besser, Palasthunde zu besitzen als einen Pinsch. Das riecht so nach Stall! Der eine stumm, teilnahmslos mit  Fraisen behaftet – unser kleiner Kerl dagegen wach und rege! Der Deutsche liebt das Fremdländische, er sucht das Schöne draußen, nicht bei sich zu Hause. Die Zucht der Zwergpinscher war mühselig. Die Zwergform ist eine stehengebliebene Kindheitsform, behaftet mit vielen embryonalen Erscheinungen. Das Ausmerzen der Kretinformen ist schwierig.


In den beiden ersten Jahrzehnten des deutschen Hundesports kümmerte sich kein ernsthafter Züchter um den Zwergpinscher. Dieser war meist in der Hand würdiger, marienbadreifer Damen, die mit viel Hingabe, aber plan- und ziellos „züchteten“. Dementsprechend war die Beurteilung auf den Ausstellungen. Meist wurde einer der älteren Richter darum gebeten, der sich – von Käfig zu Käfig gehend, seine Anbefohlenen auf den Arm der Ausstellerinnen flüchtig betrachtete, mit verbindlichen Worten die „schönen Köpfchen“ lobte und des ersten Preises für würdig hielt.


Der erste Richter, der die Zwerge ernst nahm, war Berta.  

Es erregte Bewunderung und schlecht verhehlte Entrüstung, als er im Ring richtete und Wert darauf legte, die Hunde auf dem Boden zu sehen, um auch ihrer Körperform und den Gebrauch ihrer Gliedmaßen beurteilen zu können. Nur ganz allmählich kam das Verständnis, aber nicht bei den bisherigen Züchterinnen, sondern von neuen Männern, die den Zwergpinscher zu dem machten, was er heute ist: ein Hund mit Schneid, Gesundheit, Widerstandsfähigkeit und Schönheit.

Der erste Züchter des gesunden linienschönen Pinscherzwerges war Ernst Kniß-Leipzig, der mit einer ganzen Reihe hervorragender Tiere, mit „Champion Wichtel“, „Ulrich“, „Dirndl“, „Heinerle“, „Gretel von Klein-Paris“ in ununterbrochenem Siegeslauf die Forderung einer neuen Zuchtrichtung verwirklichte. Auch die hirschroten „Rheingold“- Hunde des Herrn Mohr-Wiesbaden waren glänzende Vertreter dieser ersten Blütezeit.  


Die Kriegszeit brachte einen gewaltigen Rückschlag.

Nach dem Kriege lebte die Zwergpinscherzucht vor allem im Westen wieder auf und fand Gipfelleistungen in „Stern vom Affentor“, „Afra v. Kinzdorf“, „Maingolds Brillant“, „Erlkönig Heinzelmännchen“, die aber in der Hauptsache nach Holland oder Amerika abwanderten. Die Macht des Geldes hat den Züchtererfolg überrannt.

"Wir haben in Deutschland noch eine Reihe von treuen Zwergpinscher-Züchtern, die durchgehalten haben. Es wird wieder eine Zeit der Hochblüte kommen.“

Das war also der Stand um den Zwergpinscher 1937. Aus diesen Aufzeichnungen und noch vor der Gründung des Pinscher-Schnauzerklub (PSK) in Deutschland wird ersichtlich, wie ungenau die Bezeichnung „Pinscher“ war. Da sind glatthaarige, rau- oder seidenhaarige, große und kleine Hunde beschrieben, und immer wieder finden wir Verwechslungen mit dem Englischen Black-and-Tan Terrier. 1879 erschienen erstmalig auf einer Ausstellung zwei rauhaarige Pinscher, Betti und Anni. 1880 kam es erstmals zur Festlegung der Rassemerkmale für glatthaarige und rauhaarige Pinscher.

 

Der pfeffer-salz-farbige Schnauzer entstammt Kreuzungen mit Wolfspitzen durch Georg Goller. 1882 fanden sich in der Schweiz sieben Schnauzer auf einer Ausstellung, bis hin zu schließlich 93 Meldungen bei einer Sonderschau in Stuttgart 1890.

Die dort gezeigten Rassevertreter unterschieden sich sehr in der Farbe des Haarkleides, dessen Beschaffenheit, sowie den Kopf- und Gebissformen.

Zwar wurde im Standard von 1890 als anerkannte Farben von eisengrau bis silbergrau gesprochen, allerdings waren auch rostgelb, maisgelb und graugelb zugelassen. Die Kopfformen unterschieden sich von langgestreckt bis kurzköpfig, die auch noch in verschiedenen Stärken vorkamen. Die meisten Pinscher dieser Zeit waren Rück- oder Vorbeißer.  


1895 erließ der Deutsche Josef Berta einen Aufruf zur Gründung eines Pinscherklubs aus dem der heutige Pinscher-Schnauzerklub hervorging. Sein Vorwort des im Jahr 1902 veröffentlichten 1. Band des Pinscher Zuchtbuches beschreibt treffend die damalige Situation der Deutschen Hundewelt:   „Als der Unterzeichnete im Frühjahr 1895 einen Aufruf zur Gründung eines Pinscher-Schnauzerklubs erließ, gab es der berufenen Züchter und Liebhaber unseres braven vaterländischen Hundes herzlich wenig. Der Schnauzer, der bedeutendste Repräsentant der großen Pinscher Familie, war ein kynologisches Stiefkind und fristete unter den vornehmen hoch geachteten Fremdlingen achtlos und kümmerlich sein Dasein. Planlosigkeit und Verwirrung herrschte in seinen Reihen, kein einheitliches Züchterisches Bild fesselte den Beschauer, kein greifbarer Typus reizte den praktischen Sportsmann, seine Erfahrungen und seinen Eifer an diesen hoffnungslosen Gesellen zu versuchen.“  

Zu dieser Zeit wurden die Schnauzer noch als „rauhaarige Pinscher“ bezeichnet. Der ausgeprägte Bart des Schnauzers wurde erst mit der Spezialisierung der Rasse gezüchtet.

Schnauzer waren einst nur verschiedene Pinscher.

Bis in die frühen Jahre des 20. Jahrhunderts fielen in den Würfen noch rau- und glatthaarige Welpen gemeinsam. Mit Beginn der Reinzucht durch Josef Berta begann die Unterscheidung zwischen Pinschern und Schnauzern. Kenner der rau- und kurzhaarigen Pinscher fanden sich zusammen. Sie versuchten, die Zucht zu lenken, indem sie den vorhandenen Bestand ordneten, schafften Varietäten, und führten Buch über Paarungen, sie legten Satzungen und Zuchtordnung fest, und bildeten Zuchtrichter aus. Spezialausstellungen wurden organisiert, und Öffentlichkeitsarbeit geleistet.  

 

1984 veröffentliche der Deutsche R. v. Schmiedeberg als Nachtrag der Übersetzung eines englischen Hundebuches von Dr. W. Gordon Stables  RASSEKENNZEICHEN VON PINSCHERN, die der „Verein zur Veredelung von Hunderassen in Deutschland“ veröffentlichte: „Es dürfte schwer fallen festzustellen, ob unser kurzhaariger Pinscher zuerst in Deutschland gezüchtet wurde oder ob derselbe nur ein Nachkomme des alten englischen Black-and-Tan Terriers ist, dessen alte Stammform im Laufe der Zeit bei uns mehr oder weniger abgeändert wurde.“

Nachzulesen ist unter anderem auch, dass es sich bei dieser Rasse um einen in Deutschland beheimateten Hund handelt, über dessen Stammväter die verschiedensten Aussagen gemacht wurden, und dass seinerzeit nicht feststellbar war, wann und wo sich diese Rasse der Pinscher in eine kurz- und rauhaarige Unterrasse aufgeteilt hat.  

DER Kurzhaarige Pinscher war 5-7 kg schwer, munter, keck, kupierte Rute, aufrecht getragenen Kopf weniger lang gestreckt, Ohren hoch angesetzt und kupiert. Rumpf: tiefe Brust, mehr oval als rund, Bauch mäßig aufgezogen. Haar: kurz, straff, glatt. Farbe: meist schwarz mit gelbbraunen Abzeichen.
Weniger geschätzt, dunkelbraun mit gelben Abzeichen noch weniger einfarbig gelb oder gelbrot. Weiße Abzeichen niemals zulässig.

Der Zwergpinscher wird als kleine Form des zuvor beschriebenen dargestellt, sollte  3 ½ Kilo nicht übersteigen. Das Haar weicher, seidenartig glänzend, Haut sehr dünn, Knochenbau äußerst zierlich und scharf ausgeprägt.  

Der Rauhaarige Pinscher oder Rattler hatte ein Durchschnittsgewicht von 3 ½ bis 10 Kilo und darüber. Leicht sehnig, elastisch. Harte, raue Behaarung, Rute schräg aufwärts getragen, Haltung neugierig und keck. Unruhiges Temperament, beständig wachsam ohne unnützen Lärm zu machen und sehr mutig, ohne eben zänkisch oder besonders rauflustig zu sein. Voll Anhänglichkeit an den Herrn, besondere Liebe zu Pferden, von großer Ausdauer auf längeren Touren. Gewandte Ratten – und Mäusejäger, daher als Stallhund beliebt.

Kopf nicht zu schwer, etwas lang gestreckt. Oberkopf nach vorne wenig verschmälert und fast gerade, Absatz zur Nase stark ausgesprochen. Gebiss gut schließend. Ohren kupiert. Hals mittellang und kräftig, im Nacken gewölbt, ohne Erweiterung der Kehlhaut. Rute kupiert. Haar möglichst hart.

An der Schnauze kurzer Schnurr- oder Knebelbart, buschige Augenbrauen. Farbe rostgelb oder braungelb. Kopf, Füße und Unterseite meist heller oder grauweißlich gefärbt, ferner schwärzlich, eisengrau oder silbergrau. Entweder einfarbig oder mit gelbbraunen oder blassgelben Abzeichen an Augen, Schnauze und Läufen. Auch wohl einfarbig flachsblond oder trüb grauweiß mit schwarz gefleckt, Nase immer schwarz, Augen und Nägel dunkel.  

Der Farbe wurde längere Zeit in der Zucht keine Bedeutung beigemessen, dafür umso mehr der Haarstruktur, besonders wichtig dabei der Bart- und Brauenbewuchs.

Züchterisch großer Wert wurde auf den harmonischen Körperbau gelegt. Man sprach davon, dass der Hund „Adel“ haben muss. Dadurch wurden die Köpfe langgezüchtet, die Läufe höher und steiler gewinkelt und die Brust entwickelte sich deutlich flacher.

 

Dr. Emil Hauck spricht dabei von einer Terrierfront, die deutlich beim Schnauzer-Pinscher zu verurteilen ist, jedoch noch immer ihre Erscheinungsform, besonders bei den heutigen Zwergschnauzern amerikanischer Herkunft, findet.   Durchgesetzt in der Zucht hat sich der gestreckte Kopf mit dem quadratischen Körperbau. Zu Beginn der Reinzucht lag die gewünschte Größe noch bei 30 bis 45 cm, wurde dann auf 45 bis 50 cm hochgesetzt. Dies entspricht dem heutigen Standard-Schnauzer. Als anerkannte Farbschläge galten fortan nur mehr Pfeffersalz und Schwarz.  

Der rauhaarige Zwerg- oder Affenpinscher wird als Zwergform des vorgeschriebenen Rattlers beschrieben. Jedoch ist hier der Kopf weniger gestreckt, der Oberkopf höher gewölbt und die Schnauze kurz. Unterkiefer etwas vorstehend, affenartig, Behaarung etwas weicher und um die Augen kranzförmig ausgebreitet, wodurch das Gesicht einen eulen- oder affenartigen Ausdruck erhält. Gewicht nicht über 3 ½ kg, Färbung ganz wie beim Rattler.  

 

Diese vielen Einzelheiten schließen mit dem Hinweis „So beliebt die Rasse ist, so hat sie doch leider keine große Verbreitung, was wohl der jetzt zur Mode gewordenen Vorliebe für Möpse zuzuschreiben ist. Sie wird deshalb wenig gezüchtet und so könnte man als hervorragender Züchter außer einigen württembergischen Händlern nur noch Herrn C. Burger aus Leonberg nennen.“  

Der Tiermaler und Autor von Hundebüchern, Jean Bongartz bezog sich in seinem 1884 erschienenen HANDBUCH ZUR BEURTEILUNG DER RASSEN-REINHEIT DES HUNDES und in dem 1888 erschienenen Buch DER LUXUSHUND auf die vom „Verein zur Veredelung von Hunderassen in Deutschland“ veröffentlichten Rassekennzeichen.

„Es kann nicht als übertriebener Nationalismus angesehen werden, wenn an den wenigen Pinscherrassen unseres Vaterlandes festgehalten und ihre Zucht mit Verständnis betrieben wird, man müsse sonst, wolle man unparteiisch urteilen, auch den Engländern den Vorwurf machen, in verhältnismäßig kurzen Zeitraum eine Menge Terrier- Rassen produziert zu haben. Wäre das Verständnis und Talent für die Tierzucht, namentlich der Hundezucht, bei uns so früh und allgemein vorhanden gewesen, wie beispielsweise in England, so dürfte Deutschland aus dem ursprünglichen Material entschieden mehr Klassen für Pinscher aufzuweisen haben. Als eine noch zulässige Farbe betrachten wir auch die rostgelbe, die sich auch beim Dachshunde vorfindet und bei diesem gestattet ist. Ebenso wäre hinsichtlich des Gewichts, ähnlich wie bei engl. Terriern noch eine ausgleichende Einteilung zu treffen. Dieselbe Schärfe und Schneidigkeit, Wachsamkeit und Anhänglichkeit, die gleiche Erbitterung auf Ratten etc. und die nämliche Zuneigung zu Pferden, die wie bei den rauhaarigen Verwandten, dem Rattenfänger zu finden, ist auch dem glatthaarigen Pinschern in selber Weise eigen.“  

Der Deutsche Rauhhaarige Pinscher (Rattenfänger) In einem dem Pinscher als „Rattenfänger“ gewidmeten Kapitel taucht eine, damals im Süden Deutschlands weit verbreitete, Bezeichnung Schnauzerl auf.

 

Viele Liebhaber und Kenner der Pinscher und Schnauzer werden in diesem zitierten Original-Bericht die Wesensmerkmale unserer heute bekannten Rassen wieder finden: „Unser altbekannter Rattenfänger hat sich von je her in Deutschland insbesondere in Württemberg, einer großen Beliebtheit erfreut und es gereicht uns zur Genugtuung konstatieren zu können, dass sich die Zahl seiner Verehrer und Züchter mehrt. Wenn man den englischen rauhaarigen Terriers, dem deutschen Rattenfänger zum Vergleich gegenüberstellt, so wird man sich der Annahme nicht erwehren können, dass bei diesen eine mehr oder minder auffallende Ähnlichkeit mit dem Rattenfänger vorhanden ist. Wie bei so vielen älteren Rassen, so ist über die Herkunft des Rattenfängers nichts Bestimmtes bekannt und daher auch die Annahme wohl berechtigt, dass derselbe eine bereits frühere Rasse darstellen muss. In der Zucht ist auch leider dieser Hund sehr vernachlässigt worden und man hat dem Zufall zu viel Spielraum gewährt. Diese Lässigkeit hat denn auch ihre unangenehmen Folgen gehabt, es wird noch viel nachzuholen sein, ehe man diese Rasse auf die Höhe bringt, die verlangt werden muss.   Wenn auch den meisten Exemplaren die der Rasse eigentümliche Intelligenz und Schneidigkeit verbleiben, so sieht man doch in der äußeren Erscheinung die mannigfachen Typen vertreten. Die meisten zeigen zu spitze Köpfe, vorstehende Unterkiefer, schwächlichen Körperbau und ebenso fehlt ihnen das harte, drahtige Haar. Da man von ihm die verschiedensten Arbeiten verlangt und er gleichsam ein „Hund für alles“ sein soll, der sowohl zur Bewachung von Haus und Hof, sowie zum Vertilgen von Ratten und ähnlichem Ungeziefer dient und er als beliebter Stallhund – er zeigt eine ausgesprochene Zuneigung zu Pferden – in Gebrauch war und das Gefährt zu begleiten hat, wird auch eine entsprechende Körperstärke für höchst wünschenswert und notwendig erachtet. Er darf daher nicht weich und verzärtelt sein, muss vielmehr eine robuste Natur besitzen die ihn befähigt, der Witterung Trotz zu bieten. Wie er als Vertilger von lästigen Nagern eine schier unbegreifliche Passion entwickelt, wie er das ihm anvertraute Fuhrwerk und den zu bewachenden Stall mit aller Energie vor unbefugter Annäherung fremder Personen verteidigt und sich als schneidiger, aufmerksamer Wächter kund gibt, ebenso nützlich und angenehm weiß er sich im Haus zu machen, fühlt sich in Gesellschaft spielender Kinder als gleichberechtigt indem er sich zu  allerlei Possen heranziehen lässt ohne Unwillen oder Zorn zu zeigen, und den Kindern seines Herrn jederzeit ein willfähriger Spielgefährte ist. Hat der „Schnauzerl“, wie er allgemein genannt wird, eine Ratte oder Maus aufgespürt, so beseelt ihn ein Feuereifer in der Verfolgung der ihm verhassten Nager, der ihn alles in seiner Umgebung vergessen macht. Stets den grauen Feind im Auge haltend, sucht er jenen zu überlisten und ihm den Pass abzuschneiden, um ihn mit gewandtem Griff zu packen. Ist die Ratte in seinem Besitz, so vernimmt man ein befriedigendes Knurren, einige kräftige Bisse und die Nagerseele hat ihr irdisches Dasein ausgehaucht und fort geht’s zu neuen Jagden, bis Stall und Haus von diesen lästigen Ungeziefern in kürzester Zeit gesäubert sind."


Bei den in England und Belgien üblichen Prüfungen auf Ratten würde unser Pinscher gewiss allen anderen Terriern überlegen sein, wenn er erst Gnade vor den Augen der dortigen Liebhaber findet“   1880 erscheint das DEUTSCHE HUNDESTAMMBUCH, in dem die Rassekennzeichen des Pinschers erstmals aufgestellt sind. Als Farben werden angegeben:

„Meist glänzend schwarz mit gelbbraunen Abzeichen... weniger geschätzt ist die dunkelbraune Färbung mit gelben Abzeichen, und noch weniger die einfarbig gelbe oder gelbrote Farbe. Weiße Abzeichen sind niemals erlaubt.“  

Über die „Rattenprüfungen“ stehen interessante Angaben im HUNDESPORT Band II, Nr. 12 „Der Verlauf von Rattenprüfungen ist ein sehr einfacher. Der Kampfplatz ist ein ovaler oder runder Tisch von etwa 5-9 m2 Flächeninhalt. Ein Drahtgeflecht von etwa einem Meter Höhe umgibt denselben und gestattet dem Zuschauer bequem alles zu übersehen... Durch eine kleine Schiebetür werden Ratten und Hunde eingelassen. Nach englischem Reglement muss jeder konkurrierende Hund so viele Ratten töten als sein Körpergewicht in Kilogramm beträgt. Deshalb hat der Besitzer vor jedem Gang das Gewicht seines Hundes anzugeben, damit die nötige Anzahl Ratten für ihn in die Arena gebracht werden kann. Ist die Reihenfolge der „Kämpfer“ durch das Los bestimmt, die nötige Anzahl der Ratten im „Pit“ so nimmt der „Time-Keeper“ die Kontrolluhr und der Hund wird in den Kampfplatz gelassen. Wütend stürzt er sich auf die Ratten, die sich gewöhnlich in eine Ecke dicht zusammen drängen und zu entspringen versuchen. Die Bewegungen des Hundes sind so schnell, dass sie sich kaum aus den Augen verfolgen lassen. Endlich ist auch der letzte Feind getötet und ungern lässt sich der Hund aus der Arena entfernen.

 

Theodor Fontane beschreibt in seinem 1899 herausgegebenen STECHLIN eine Fahrt in den Katakomben, den unterirdischen Kanälen von Paris. „In unserem Kahn hatten wir nämlich zwei solcher Rattenfänger, wie man die Pinscher auch nennt, einen vorn, einen hinten. Und nun hätten Sie sehen sollen wie das losging. Schnapp, und das Tier um die Ohren geschlagen, und tot war es. Und so weiter, so schnell wie sie nur zählen konnten und mitunter noch schneller.“  

 

1914 wird der 1. ÖSPK in Wien gegründet.  

1920 stand der Glatthaarige Pinscher auf einer sehr schwachen Zuchtbasis. Es gab damals nur noch etwa 30 Zuchttiere, die meisten davon im deutschen Raum Göppingen. Man kreuzte Black-and-Tan-Terrier ein und rettete dadurch den Deutschen Pinscher erstmals vor dem Untergang. Seine genetische Basis war so eng geworden, dass Gesundheitsprobleme die Rasse vermutlich zugrunde gerichtet hätten.  

 

1956 gibt der damalige Hauptzuchtwart des PSK, Werner Jung, folgenden Bericht auf der Jahreshauptversammlung des PSK:  „Nach 1949 weisen unsere Zuchtbücher nunmehr keine Würfe des Pinschers mehr aus. Nur in der Zone in den Kreisen Schmalkalden und Erfurt in Thüringen wurde die Zucht mit wenigen Exemplaren fortgesetzt. ... Die ältesten Pinscher, die nach dem Krieg gezüchtet wurden, sind nunmehr 13, die jüngsten jetzt 9 Jahre alt. Wir sind uns doch wohl völlig im Klaren darüber, dass mein Appell wie ein letzter Notschrei aufzufassen ist. Wenn der verhallt, können wir das Leichentuch über ein Vermächtnis aus alter Zeit breiten.“ Weiterhin führte Werner Jung aus: „Mit gespanntem Ohr habe ich auf ein Echo gewartet, ein ganzes Jahr, vergebens!“


In der DDR war die Situation ähnlich.

Die Pinscherzucht kam auch dort zum Erliegen, nur ein paar Jahre später.

Nach 1955 (18 Welpen) gab es im Jahr 1957 nur noch einen Welpen! Werner Jung war ein Mann der Tat. Er wollte nicht als Hauptzuchtwart in die Geschichte eingehen, „unter dem eine ganze Rasse ausgestorben ist, der Pinscher sein Leben ausgehaucht hat.“   Als letzte Möglichkeit der Rettung des Deutschen Pinschers gab er seine „innigst geliebten Riesen“ (Riesenschnauzer-Zucht) auf und suchte die letzten Reste der Pinscherzucht für einen Neuanfang zusammen.

 

Es war die Stammhündin „Kitti vom Bodestrand“, geb. 22.05.1955 in der DDR, die einzige Deutsche Pinscherhündin für diesen Neubeginn. Hinzu kamen die Zwergpinscherhündin „Jutta/Jung“ (1956), und die drei Zwergpinscherrüden „Fürst/Jung“, „Illo/Fischer“ und „Onzo/Illgen“ (1957) - alle vier mit Übergröße.  

1958 am 19.12. fiel aus Kitti x Fürst dann der erste Wurf für den Wiederaufbau der Deutschen-Pinscher-Zucht. Durch den großen Einsatz von Werner Jung und seiner Familie ist die Rasse vor dem Aussterben bewahrt worden.  

Dr. Hans Raeber schreibt in seinem Buch SCHNAUZER-PINSCHER: „Beim Durchstöbern der alten Schriften, die uns über die Anfänge der Reinzucht berichten, muss ich immer wieder staunen, mit welcher Begeisterung und mit welchem Opfersinn sich diese Leute an die schwere Aufgabe machten. Mit bewundernswertem Weitblick wurden züchterische Probleme angegangen, mit Härte und Kompromisslosigkeit wählte man die Zuchttiere aus, und man freute sich und war begeistert, wenn sich der Erfolg einstellte. Würde heute noch mit der gleichen Einstellung gezüchtet, wir könnten alle Zuchtreglemente in Bausch und Bogen verbrennen, denn mehr kann all das Papier die Zucht nicht fördern, als es damals die wenigen Züchter ohne Reglemente taten.“  

1987 begann sich das Erscheinungsbild aller Schnauzer und Pinscher auffallend zu verändern: In Deutschland galt das Kupierverbot für die Ohren. Von nun an sollte er Kippohren tragen.

1998 folgte in Deutschland das Kupierverbot für die Ruten, was einen weiteren Wandel für die Zucht bedeutete.

Seit 2000 ist auch in Österreich bzw. seit 1997 in der Schweiz das Kupieren von Ohren und Rute verboten. Das Österreichische Tierschutzgesetz legt zudem fest, dass verboten sind: das „Ausstellen, der Import, der Erwerb, die Vermittlung und die Weitergabe von Hunden, die nach dem 1. Jänner 2008 geboren und an deren Körperteilen Eingriffe vorgenommen wurden, die in Österreich verboten sind.“  

 

Schnauzer und Pinscher sind heute ideale Familienhunde, die sich ihrer Umgebung gut anpassen. Sie haben Temperament, sind sehr aufmerksam, gutartig und spielfreudig. Unbestechlich in ihrer Treue zur Bezugsperson und, gut erzogen, kein Kläffer. Schnauzer und Pinscher sind Kraftpakete und sehr widerstandsfähig gegenüber Krankheiten. Ausdauernd und daher bestens als treuer Begleiter bei vielen Freizeitsportarten geeignet. Wachsame Kerle, denen nichts entgeht!

 

©  1. ÖSPK, Brigitta Aschenbrenner